Da fast jeder in der Salsa-Szene eine etwas andere Meinung hat, was den einen oder anderen Stil ausmacht oder welche Bedeutung einzelne Stile überhaupt haben habe ich im Folgenden mal einen Versuch gestartet, meine Gedanken dazu etwas zu ordnen... (Achtung: nur für Salsa-Tänzer oder -Interessierte)
Jeder, der anfängt Salsa zu tanzen wird früher oder später merken, dass es unterschiedliche Stile gibt. Spätestens, wenn man versucht, mit jemandem zu tanzen und merkt, dass plötzlich überhaupt nichts mehr passt und das gelernte kaum noch anwendbar ist. Oft kommt man dann schnell drauf, dass der eine "kubanisch" tanzt und der andere "New-York-Style" bzw. etwas allgemeiner gesagt "auf der Linie".
Aber was hat es im Detail damit auf sich? Und was sind L.A.-Style, Puertorican-Style und andere weniger bekannte Derivate oder nach der Herkunft anderer Lehrer benannte Stile?
Grundsätzlich lässt sich recht einfach unterscheiden, ob man auf einer Linie ausgerichtet tanzt (New-York, L.A., Puerto Rican) oder ohne feste Ausrichtung, eher im Kreis (kubanisch). Ersteres setzen viele einfach mit New-York-Style gleich und unterscheiden somit (zum Ärger anderer) nur zwischen New-York- und kubanischem Stil. Andere, auch viele führende New-York-Style-Lehrer, sind der Meinung, dass es nur dann echter New-York-Style ist, wenn auf die 2 getanzt wird. (Dabei bewegt der Herr auf die 2. Viertelnote des ersten Taktes - der Salsa-Rhythmus ist, wie ihr sicher wisst, ein 4/4-Takt, in dem zum Tanzen immer über 2 Takte gezählt wird - den rechten Fuß nach hinten, die Dame den linken nach vorne. "Auf 1" bewegt der Herr den linken Fuß auf die erste Viertelnote nach vorne, die Dame den rechten nach hinten.)
Eindeutiger ist es beim L.A.-Style, den man wohl als in Los Angeles entstandene Variante des New-York-Style bezeichnen kann. Hier sind sich alle einig, dass ausschließlich "auf 1" getanzt wird.
Im Kubanischen wird je nach Musik meistens auf 1, oft aber auch auf die 3 und gelegentlich auf 2 getanzt... je nachdem, wie der Tänzer oder Lehrer die Musik gerade "fühlt"

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Im puertorikanischen Stil wird meinen neuesten, noch nicht weiter verifizierten Informationen nach auf 2 getanzt, indem der Herr, wie im klassischen Mambo, auf 2 zunächst mit links vor geht.
Da alle "auf Linie" getanzten Stile auch (oder sogar vorwiegend) "auf 1" unterrichtet werden stellt sich natürlich die Frage, wo die weiteren Unterschiede liegen. Da ließe sich z.B. der größere Spannungsaufbau beim "Auseinandergehen" und die quasi im Ausgleich dazu wieder sehr eng getanzten (Teil-)Figuren und die akrobatischen Elemente im L.A.-Style nennen, während im NY-Style ruhiger getanzt und mehr Wert auf Eleganz gelegt wird und im puertorikanischen Stil alle Bewegungen etwas flüssiger und runder aussehen. Allerdings wird man alle gerade genannten Eigenschaften der Stile auch bei Vertretern der anderen finden, was eine Verallgemeinerung über die Schule eines bestimmten Lehrers hinaus sehr schwer macht.
Meiner Beobachtung nach wird daher immer öfter dazu übergegangen nur noch zwischen kubanischem Stil und Cross-Body ("auf Linie", X-Body, ...) und hier wiederum zwischen "auf 1" und "auf 2" (im englischen bzw. internationalen Sprachgebrauch On 1 / On 2) zu unterscheiden und evtl. noch ein Lehrer bzw. ein Land oder eine Stadt als ergänzende Information dazu genannt. Meiner Meinung nach der richtige Ansatz, da es wenig Spielraum für überflüssige Diskussionen lässt.
Sicher wird der eine oder andere hier noch einen Stil vermissen. Ich habe bewusst nur die in meinem Umfeld bekanntesten Erwähnt, wo ich schon die Möglichkeit hatte mit Lehrern zu sprechen bzw. auch selbst Unterricht zu nehmen. Interessant könnte es auch noch werden, sich mal mit den unterschiedlichen Arten "auf 2" zu tanzen zu beschäftigen - hier wird häufig vom "Eddie Torres"- und auch vom Paladdium-Style gesprochen...
Einen etwas älteren, wesentlich ausführlicheren (aber sehr auf die berliner Szene zugeschnittenen) Artikel mit vielen interessanten Kommentaren findet ihr auch unter bei
DJ Michael ("el rumbero").